Promis und Profi-Kicker bauen auf die Kräfte von Holger Fischer

17. MÄRZ 2009
Promis und Profi-Kicker bauen auf die Kräfte von Holger Fischer
Erschienen in: Schwarzwälder Bote

Balingen - Die Sportpresse nennt ihn Mentalcoach und Selbstheilungsmanager, Boulevardjournalisten auch gerne »Wunder-Heiler« oder »Psycho-Glatze«. Holger Fischer selbst sagt lapidar: »Ich bin selbstständig.« Zig angeschlagene Promis und Profi-Kicker berichten, er habe sie in Windeseile wieder fit gemacht.

Wie, das weiß er scheint’s selbst nicht so genau. An einer kleinen Seitenstraße in Balingen (Zollernalbkreis) liegt sein Domizil – eine frisch renovierte, dreistöckige Villa. In der Tür steht der schlaksige Mann mit dem kahlen Charakterkopf und der markanten weißen Brille, den schon viele Prominente in der Hoffnung auf rasche Genesung besuchten.

Schier unglaubliche Geschichten ranken sich um den 48-Jährigen. Etwa die von Profi-Kicker Jan Schlaudraff, (Hannover) der seinen Einsatz bereits abgeschrieben hatte und dann nach der Arbeit mit Fischer einst für Alemannia Aachen das Spiel seines Lebens machte. Zwei Tore schoss er damals beim 4:2-Sieg gegen Mönchengladbach und bereitete ein weiteres vor. »Man liegt bei ihm immer auf dem Bauch«, beschrieb Schlaudraff anschließend die Visite bei Fischer.

Was dann genau passierte, könne er nicht sagen. Aber die Wirkung sei enorm. Fischers Homepage zeigt ein ganzes Sammelsurium von Dankesschreiben. »Ohne Holger Fischer wäre ich niemals aus dieser tiefen Krise herausgekommen«, wird etwa Fußballprofi Roland Benschneider zitiert. »Entscheidend ist, dass es funktioniert, und das tut es!«, sagt Patrick Owomoyela von Borrusia Dortmund. Laut Nationalkicker Mike Hanke (Hannover) sind die Mittel der Schulmedizin bei der Behandlung der hartnäckigen Entzündung seiner Patellasehne ausgereizt gewesen. Nach kurzer Zeit der Zusammenarbeit mit Fischer aber sei die Entzündung verschwunden.

»Ich bin von ihm überzeugt«

Und Dieter Hecking, Trainer des Bundesligisten Hannover 96, betont: »Holger Fischer hat Fähigkeiten, die andere nicht haben. Ich bin von ihm überzeugt.«

Wohlgemerkt: Fischer ist weder Physiotherapeut noch Mediziner. Als Tennistrainer hat der gebürtige Stuttgarter gearbeitet, unter anderem für den TC Metzingen und die BTG Balingen. Bis er an sich das entdeckte, was er »eine Gabe« nennt. In die Esoterik-Ecke will sich Fischer aber nicht drängen lassen. Auch religiöse Bezüge meidet er. Nüchtern und zuweilen spröde wirkt er im Gespräch. »Ich war immer sehr konservativ«, betont Fischer. Von Räucherstäbchen, Bud­dhafiguren oder irgendwelchem Hokuspokus ist in seinem großzügig eingerichteten Haus keine Spur.

Vor fünf Jahren hat Fischer nach eigenen Angaben seine besonderen Fähigkeiten entdeckt. Familienangehörige und Freunde hätten sich besser gefühlt, nachdem er sie in den Arm genommen hatte. Als Glück oder Zufall habe er das zunächst abgetan. »Doch die Erfolge sind einfach da«, erklärt er den Entschluss, seine vermeintliche Gabe zum Beruf zu machen.

Fischer steigt die große Treppe hinauf zu seinem »Arbeitszimmer«. Weder das Wort Behandlung noch das Wort Patient nimmt er in den Mund. Er »arbeitet« mit »Klienten« in diesem Zimmer, in dem neben einer gemütlichen Couchgarnitur eine lederbezogene Liege und zwei Vibrationsmaschinen mit dem Namen »Power Plate« stehen. Was genau er dort macht? »Das kann man nicht beschreiben«, sagt Fischer. Mal aktiviere er Selbstheilungskräfte mit seinen Händen, mal gebe es Bewegungseinheiten, mal führe er Gespräche. »Es kann aber auch ganz ohne Worte sein.« Eine Entspannungsmusik gehört meist zu seiner Arbeit, die die Ruhephasen unterstützen soll.

»Entwickler« und »Beschleuniger« nennt Fischer seine Funktion in diesem Prozess: »Wirklich heilen kann man sich nur selbst.«

Zu Körper und Geist beziehe er die Seele mit ein

Fischer vertritt einen ganzheitlichen Ansatz und spricht von einem übergeordneten Heilungssystem. Drei Ebenen habe der menschliche Organismus: Körper, Geist und Seele. Ärzte würden sich um das Wohl des Körpers sorgen, Psychologen sich dem mentalen Bereich widmen. Er aber führe beide Ebenen zusammen und beziehe die Seele noch mit ein.

Seine Klienten beschrieben oft das Gefühl, dass er »in ihre tiefste Seele« schauen könne, sagt Fischer. Diesem Blick haben sich auch Mario Eggimann (Hannover) und Andreas Görlitz (Karlsruhe) gestellt. Ihre Trikots hängen ebenso an den Wänden des Arbeitszimmers wie ein Sportmotiv des Eishockeycracks Alexander Jung. »Danke Holger« hat der Torhüter der Hannover Scorpions darauf geschrieben.

»Wie in einer Wohlfühloase«

Zwei bis drei Tage verbringen manche der Klienten in Fischers Villa. Essen mit der Familie – Fischer ist verheiratet und hat vier Söhne – zu Abend, bleiben über Nacht. Im Obergeschoss gibt es zwei Zimmer, die an eine Ferienwohnung erinnern: Bett, Couch, Fernseher und Blick auf den Albtrauf. Gut möglich, dass die Auszeit von Training, Autogrammstunden und Ligaspielen kleine Wunder wirkt. »Wie in einer Wohlfühloase« sollen sich die Gäste laut Fischer fühlen. »Es gibt Menschen, um die ich mich den ganzen Tag kümmern muss.«

Auch »Hausbesuche« macht der Mann mit den vermeintlichen Wunderkräften. Ein Büro koordiniert seine Termine. Eine Suite in einem Bochumer Hotel wird so regelmäßig zum »Arbeitszimmer«, auch in Berlin, München und Hannover bietet er seine Dienste an. Wie Fischer berichtet, ließen ihn Promis in dringenden Fällen auch schon mal einfliegen, um rasch Hand aufzulegen zu lassen. Eine große Tournee habe er schon gerettet, indem er den angeschlagenen Star flugs flott gemacht habe.

Sänger, Regisseure, Schauspieler und Inhaber großer Firmen gehörten neben Sportlern aller Couleur zu seiner Klientel: »Die bleiben lieber incognito.« Für diese Woche habe ihn ein Kicker eines Spitzenclubs der italienischen Serie A beordert. Er habe von Fischers Arbeit mit Bundesligaspielern gehört – und will es offenbar nun selber wissen. Aber auch immer mehr »normale Bürger« bauen auf Fischers Kräfte. Das Honorar werde individuell bestimmt. Über die konkreten Sätze schweigt er sich aus.

»Ich würde nie dazu raten, Tabletten abzusetzen«

Verletzungen, chronische Schmerzen, Migräne, Allergien, Herzerkrankungen, Traumata, Phobien oder Krebs: »Es gibt wenig, um was ich mich noch nicht gekümmert habe«, sagt Fischer. Er setzt dabei auf das Miteinander mit Ärzten und Physiotherapeuten. »Ich bin kein Wunderheiler«, sagt Fischer und betont: »Ich würde nie dazu raten, Tabletten abzusetzen oder Therapien zu stoppen.« In der Branche ist sein Ansatz dennoch höchst umstritten.

Viele Schulmediziner tun Fischers Arbeit als Blödsinn oder bestenfalls als Placebo ab. Andere hingegen, wie der Physiotherapeut Jochen Gehring aus dem benachbarten Bisingen, arbeiten mit ihm zusammen. »Was Fischer macht, kann man nicht lernen«, lässt sich der Orthopäde Jörg Jerosch auf Fischers Homepage zitieren. Oliver Schmidtlein, Reha- und Fitnesstrainer der Fußball-Nationalmannschaft, spricht von einer »unmittelbaren Verbesserung der Beschwerden« und einer »überraschenden Eigenmotivation und Zielorientiertheit der Spieler«.

»Es gibt einige Nationalspieler, die ohne mich nicht mehr spielen würden«, sagt Holger Fischer selbstbewusst und bescheinigt sich selbst eine Erfolgsquote von mehr als 90 Prozent: »Bevor das Gegenteil nicht bewiesen ist, gehe ich davon aus, dass es funktioniert.«

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