Mittelsmann zwischen Körper, Geist und Seele

22. AUGUST 2009
Mittelsmann zwischen Körper, Geist und Seele
Erschienen in: Sindelfinger Zeitung

Mittelsmann zwischen Körper, Geist und Seele
Wer sich mit Holger Fischer beschäftigt, hat viele Fragen. Was kann der Mann, was andere nicht können? Wie schafft er es, dass Profi-Fußballer mit schweren Verletzungen nach abenteuerlich kurzer Regenerationszeit topfit auf dem Platz stehen und vermeintliche Dauer-Invaliden plötzlich an alte Leistungen anknüpfen? Steckt hinter diesem Phänomen tatsächlich eine Gabe? Oder hakt man die Erfolge des 46-Jährigen als Placebo-Effekt ab?
Holger Fischer kennt diese Zweifel und den unbedingten Drang seiner Gesprächspartner, verstehen zu wollen, was so unglaublich klingt. Das Bedürfnis ist ihm vertraut, weil es ihm viele Jahre ähnlich erging. „Seit ich damit begonnen habe, meine besonderen Fähigkeiten zu entwickeln, habe ich meine Legitimation immer wieder hinterfragt. Vor einem Jahr aber habe ich damit aufgehört. Ich bin Holger Fischer, und wenn mich heute jemand fragt, was ich mache, antworte ich: Holger Fischer sein“, sagt er mittlerweile selbstbewusst.
 
Abitur am MPG
Doch der Reihe nach: Dass er einmal als „Wunderheiler“ , „Promi-Flüsterer“ oder „Psycho-Glatze“ die Medienlandschaft beschäftigen würde, hatte sich der junge Mann aus Weil im Schönbuch nicht träumen lassen, als er 1983 mit dem Abitur das Böblinger Max-Planck-Gymnasium (MPG) verließ. Der erfolgreiche Jugendspieler des Weilemer Tennisclubs wollte Filz-Kugel-Coach werden und heuerte mit 24 Jahren als bis dato jüngster Vereinstrainer in Metzingen an. Schon damals interessierte sich Holger Fischer nicht nur für die Verfeinerung der Vorhand-Technik. Er erkannte: „Zu allererst kommt es auf die mentale Stärke an.“  
Vom Tennis- zum Karriere-Coach

Körper, Geist und Seele begreift der Sandplatz-Experte seitdem als Einheit. Und der Erfolg gab ihm Recht. So etwas spricht sich herum. Die ersten Profi-Fußballer und Manager klopften an die Tür und 2001 sattelte Holger Fischer um. Aus dem Tennis-Coach wurde der Karriere-Coach. Unter seinen Klienten galt der Mental-Förderer fortan als Geheimtipp für die Korrektur von abfallenden Erfolgskurven, bis er 2004 jene Fähigkeit an sich entdeckte, die ihn jetzt in die Schlagzeilen katapultierte. Der 46-Jährige beschreibt das so: „Ich verstehe mich als Prozessbeschleuniger bei der Genesung von Verletzungen und Krankheiten.“
Wissenschaftliche Erklärungsmodelle hat Holger Fischer dafür nicht parat. Wenn er von seiner Gabe berichtet, geht es um Gefühl, um Intuition und um ein ganzheitliches Verständnis dessen, was den Menschen ausmacht. „Es hat damit begonnen, dass ich meine kranken Kinder in den Arm nahm. Wenig später haben sie sich übergeben, dann ging es ihnen wieder gut.“

„Vertrauen in meine Begabung“
Die Familie wunderte sich darüber. Dann folgten die nächsten Versuche mit der Migräne der Ehefrau und den entzündeten Ellenbogen der Schwiegermutter. Auch das funktionierte. Der vierfache Familienvater war zunächst selbst verunsichert, traute sich dann aber immer mehr zu. „Als die ersten wirklich schweren Fälle zu mir kamen, war mir schon mulmig zumute. Doch mit den Erfolgen ist das Vertrauen in meine Begabung gewachsen.“

Prozessbeschleunigung in eigener Sache.
Wer Fischer bei seiner Arbeit beobachtet, bekommt keine Überraschungen geboten. Er spricht mit den Klienten, fühlt, was diese bewegt und spürt mit sanftem Fingerdruck körperliche Problemstellen auf. Was mit ihnen geschieht, können die wenigsten in Worte fassen. Der 46-Jährige erläutert den Vorgang: „Die physikalischen Prozesse im Körper lösen Energieströme aus. Diese sind eng verknüpft mit einem übergeordneten System auf der emotionalen Ebene. Ich stelle Verbindungen her und gebe Lösungen ein. Ich helfe nicht. Ich unterstütze die Menschen dabei, sich selbst zu helfen.“

„Auf den ersten Blick ungewöhnlich“
„Dieses Erklärungsmodell genügt nicht jedem. Vereins-Ärzte und Physiotherapeuten äußern sich dazu gar nicht oder bleiben skeptisch. Nur einige wenige bekennen offen, dass sie sich mit dem Phänomen auseinandersetzen. Dazu gehört Oliver Schmidtlein, der ehemalige Reha- und Fitnesstrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft: „Fischers Methode mag auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen. Aber das sichtbare Ergebnis seiner und unserer gemeinsamen Arbeit war eine unmittelbare Verbesserung der Beschwerden und eine überraschende Eigenmotivation und Zielorientiertheit der Spieler.“

Von Hanke bis Schlaudraff
Deutlich umfangreicher ist mittlerweile die Liste der Sportler, Trainer und Funktionäre, die von Erfolgen des Selbstheilungs-Förderers berichten, der seit Oktober in Balingen wohnt und arbeitet. Darunter Andreas Görlitz (Bayern München), Maik Franz (Eintracht Frankfurt), Jan Schlaudraff (Hannover 96), Thomas Strunz (Ex-Nationalspieler), Mike Hanke (Hannover 96), die Trainer Thomas Schaaf (Werder Bremen) und Dieter Hecking (Hannover 96), die Tennisspielerin Andrea Petkovic und Stabhochspringer Fabian Schulze. Andere sind zurückhaltender, wie die VfB-Profis Serdar Tasci und Ciprian Marica, deren Zusammenarbeit mit Holger Fischer jedoch inzwischen als offenes Geheimnis gehandelt wird.
Die öffentliche Aufmerksamkeit nimmt Holger Fischer hin, aber er befördert sie nicht. Diskretion ist ihm wichtig. Der 46-Jährige weiß, dass er sich mit seiner Arbeit in einem Bereich bewegt, der sich rationalen Argumenten verschließt. Das bietet Angriffsfläche. „Ich gehe mit einem Medium um, das es nahe legt, mich in die Esoterik-Ecke zu drängen.“ Dagegen verwahrt er sich vehement: „Ich komme aus einer konservativen, rationalen Welt und bin von ihr geprägt.“

Eine realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten gehört dazu. „Ich biete eine Ergänzung zur Schulmedizin, aber ich kann und will sie nicht ersetzen“, betont der 46-Jährige. Jenen, die auf die Gabe von Holger Fischer vertrauen, ist das Wie und Warum letztlich ohnehin egal. Für sie zählt das Ergebnis.

Fußball-Profi Patrick Owomoyela vom Bundesligisten Borussia Dortmund hat seine Antwort auf alle Fragen bereits gefunden: „Man muss nicht immer für alles eine Erklärung haben. Entscheidend ist, dass es funktioniert – und das tut es.“

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